Nachhaltigkeit, die man schmeckt – Kaffee als Hebel für verantwortungsvolles Handeln in der Hotellerie.

Nachhaltiger Kaffee in Hotels: Die 5 wichtigsten Fragen

Nachhaltigkeit in der Hotellerie wird heute immer stärker im Betrieb sichtbar gemacht. Genau hier spielt Kaffee eine zentrale Rolle: Er ist Sinnbild für den Austausch auf verschiedenen Ebenen und spielt bei Einkauf, Energie, Abfall, Lieferkette und Gästeerlebnis gleichermaßen eine Rolle.

Im Austausch mit der Branche bekommen wir immer wieder ähnliche Fragen. Wir beantworten sie hier bewusst entlang zentraler GreenSign-Dimensionen wie Einkauf, Umwelt, Kreislaufwirtschaft und soziale Verantwortung.

Vom verantwortungsvollen Einkauf über Kreislaufwirtschaft bis zur Gästekommunikation: Jochen Schmitz erläutert, wie nachhaltige Kaffeesysteme Hotels dabei unterstützen können, GreenSign-Kriterien im Betriebsalltag wirkungsvoll umzusetzen – und warum Nachhaltigkeit bereits am Ursprung der Wertschöpfungskette beginnt.

Nachhaltigkeit beginnt mit jeder Tasse Kaffee

Wie kann Kaffee zur nachhaltigen Beschaffung im Sinne von GreenSign beitragen?

Jochen Schmitz: Das ist eine der wichtigsten Fragen, weil nachhaltiger Einkauf den größten strukturellen Hebel hat.  

Wenn wir über nachhaltigen Kaffee sprechen, geht es nicht nur um ein Siegel, sondern um die Frage: 

Wie stabil und transparent ist die Lieferkette wirklich?

Bei uns basiert das auf dem Nespresso Sustainable Quality™ Plan. Heute stammen rund 93 % unseres Kaffees aus diesem Programm, in dem wir direkt mit mehr als 130.000 Farmern in über 15 Ländern zusammenarbeiten. Aus meiner Sicht verändert sich hier gerade etwas Grundlegendes:
Nachhaltiger Einkauf wird vom „Nachweis“ hin zu einem aktiv gesteuerten System mit messbarer Wirkung

Zusätzlich sehen wir im aktuellen Fortschrittsbericht, dass 83 % der Partner-Farmen bereits mit regenerativen Methoden arbeiten.

Das zeigt: Die Entwicklung geht klar in Richtung regenerativer Landwirtschaft, nicht nur „weniger Schaden“.

 

Wie zahlt ein Kaffeesystem auf Energie-, Wasser- und Betriebseffizienz ein?

Jochen Schmitz: Ehrlich gesagt: Wenn Nachhaltigkeit operativ kompliziert ist, wird sie sich nicht durchsetzen.

Deshalb schauen wir immer auf die Prozesse im Alltag: Wie viel wird verschwendet? Wie viel Aufwand entsteht? Portionierte Kaffeesysteme helfen genau an dieser Stelle: Es wird nur die Menge verwendet, die tatsächlich konsumiert wird und  es entsteht kein Verderb durch offene Kaffeemengen.  Zudem bleibt die Qualität ist konstant, unabhängig von der individuellen Expertise des Personals. 

Im GreenSign-Kontext ist das ein wichtiger Punkt:
Nachhaltigkeit entsteht oft nicht durch zusätzliche Maßnahmen, sondern durch präzisere Systeme und weniger Ineffizienz.

 

Welche Rolle spielt Kaffee im Abfall- und Kreislaufmanagement?

Jochen Schmitz: Eine sehr berechtigte Frage – gerade im Hinblick auf GreenSign-Kriterien zu Abfall und Circular Economy.

Zuerst muss man das Material verstehen:
Aluminium ist ein sogenanntes „permanentes Material“, das ohne signifikanten Qualitätsverlust recycelt werden kann. Das ist der Grund, warum wir darauf setzen. Es hält den Kaffee lange frisch, erhöht die Haltbarkeit des Produktes und ist sehr gut recyclebar.

Wichtig ist aber die ehrliche Betrachtung des Gesamtsystems:
Die globale Recyclingquote liegt derzeit bei rund 30–32 %, während bereits über 90 % der Konsumenten Zugang zu Recyclinglösungen haben. 

Das zeigt sehr klar: Infrastruktur allein reicht nicht, die Nutzung ist der entscheidende Hebel.

Für Hotels bedeutet das konkret:

Rücknahmelösungen müssen in Prozesse integriert werden
Sammelsysteme wie die Integration der Gelben Tonne müssen einfach funktionieren
Mitarbeitende müssen eingebunden werden
Dann kann Kaffee vom Abfallthema zu einem funktionierenden Kreislaufsystem im Betrieb werden.

 

Wie stark erwarten Gäste heute sichtbare Nachhaltigkeit im Hotel?

Jochen Schmitz:  Die Erwartungshaltung der Gäste ist heute eindeutig: Laut Booking.com sagen 83 % der Reisenden sagen, dass nachhaltiges Reisen für sie wichtig ist. 

Gleichzeitig sehen wir aber auch eine gewisse „Ermüdung“ – Gäste wollen Nachhaltigkeit, aber ohne Verzicht. Und genau deshalb spielt Kaffee eine so große Rolle: Er ist täglich sichtbar, emotional aufgeladen und lässt sich einfach erklären: Wenn ein Gast versteht, woher der Kaffee kommt oder was nach der Nutzung damit passiert, wird Nachhaltigkeit plötzlich greifbar.

Im Kontext von GreenSign bedeutet das:
Nachhaltigkeit muss nicht nur umgesetzt werden – sie muss auch verständlich kommuniziert werden.

Kaffee ist dafür eines der wirkungsvollsten Beispiele im gesamten Hotel.

 

Welche Verantwortung trägt die Branche gegenüber Umwelt und Kaffeebauern?

Jochen Schmitz:Das ist aus meiner Sicht die wichtigste und langfristigste Frage.

Die Realität ist: Kaffee gehört zu den landwirtschaftlichen Produkten, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Deshalb muss gezielt in Resilienz investiert werden, idealerweise branchenübergreifend. Dazu gehört zum Beispiel die direkte Zusammenarbeit mit Farmer:innen im Ursprung, der Aufbau von Agroforstsystemen sowie unterschiedliche soziale Modelle wie ein Rentenfond oder eine Ernteausfallversicherung.

Das Ziel ist nicht nur regenerativer Kaffeeanbau, sondern ökonomische, wirtschaftliche und soziale Resilienz. Nachhaltigkeit startet nicht im Hotel– sie beginnt oft am Ursprung und ist überall in der Wertschöpfungskette erlebbar.

 

Nespresso ist B Corp zertifiziert – was bedeutet das eigentlich und welchen Mehrwert hat das?

Jochen Schmitz: Eine sehr gute Frage, weil der Begriff oft verwendet wird, aber nicht immer klar ist, was dahintersteckt.

Die B Corp Zertifizierung ist eine internationale Auszeichnung für Unternehmen, die strenge Standards in fünf Bereichen erfüllen:

  • Umwelt
  • soziale Verantwortung
  • Mitarbeitende
  • Kunden
  • Unternehmensführung

Sie basiert auf einer umfassenden externen Prüfung und muss regelmäßig erneuert werden.

Für uns ist das wichtig, weil sie zwei Dinge sicherstellt:

1. Ganzheitlichkeit
Nachhaltigkeit wird nicht isoliert betrachtet, sondern als integraler Bestandteil des gesamten Geschäftsmodells.

2. Kontinuierliche Verbesserung
Die Zertifizierung ist kein Endpunkt – wir müssen uns regelmäßig weiterentwickeln, um sie zu behalten.

Oder anders gesagt:
B Corp hilft uns als globales Unternehmen dabei, nicht nur nachhaltiger zu werden, sondern ein besser geführtes Unternehmen insgesamt zu sein.

Über Jochen Schmitz

Fazit: Kaffee ist ein unterschätzter Hebel für GreenSign

Wenn man die GreenSign-Kriterien ganzheitlich betrachtet, wird klar, Kaffee zahlt gleichzeitig auf mehrere Bereiche ein:

✔ nachhaltiger Einkauf

✔ Abfall- und Kreislaufmanagement

✔ Energie- und Ressourceneffizienz

✔ soziale Verantwortung

✔ Gästekommunikation

Genau deshalb wird Kaffee zunehmend vom Nebenprodukt zum strategischen Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie im Hotel. Und das Entscheidende aus meiner Sicht:

Nachhaltigkeit funktioniert dann am besten, wenn sie im Alltag einfach, messbar und für Gäste erlebbar ist. Genau das ist beim Kaffee der Fall.

 

Kontakt:

Jochen Schmitz

Tel:  +49 173 7252290

E-Mail: Jochen.Schmitz@nespresso.com

https://www.nespresso.com/pro/de/de

Abschließend bedanken wir uns herzlich bei Jochen Schmitz für das interessante Gespräch und die spannenden Einblicke in die nachhaltige Entwicklung von Nespresso.

 

Herzliche Grüße, Sandra

Willkommen zurück